Mittwoch, 17. Oktober 2012

Magnolia [Paul Thomas Anderson | USA 1999]

Linda, Donnie, Jim, Frank, Jimmy, Phil, Earl, Claudia, Stanley, Rose - Sie alle habe ich in drei Stunden kennen und lieben gelernt. Ich weiß, wie zerrissen sich Linda fühlt. Ich habe tief in Donnies Herz geblickt und gesehen, wie viel Liebe in ihm steckt. Jim ist ein guter Zuhörer, Frank leidet noch immer unter seiner schweren Kindheit und Jimmy will nicht allein sterben. Phil glaubt fest an Wunder im Leben, während er sich um Earl kümmert, der gleichermaßen mit körperlichen Schmerzen wie mit denen seiner Vergangenheit zu kämpfen hat. Auch Claudia leidet nicht nur an ihrem fehlenden Selbstbewusstsein, Stanley hingegen will keine Puppe sein und Rose ringt mit der unerträglichen Wahrheit. Selbstverständlich kann man die Charaktere, denen ich begegnete und die mir, als gäbe es sie wirklich, seit ich den Film zum ersten Mal sah nicht mehr aus dem Kopf gehen, nicht in einem Nebensatz abhandeln, lebt doch Andersons Meisterstück geradezu (aber nicht ausschließlich!) von seinen von einem durchweg genialen Cast verkörperten, alltäglichen Figuren, die viel mehr zu sagen haben, als ich oder irgendjemand sonst es je zusammenfassen könnte. 


Aber natürlich erzählt Magnolia vom Schicksal, von Zufällen, von Irrtümern, von den schönen und schrecklichen Dingen des Lebens, von alten Wunden, von Erziehung, von Vergangenheitsbewältigung, von inneren Dämonen, von Reue, von ... man könnte die Liste ewig weiter führen, und doch täte man dem Film Unrecht, wenn man ihn auf eine Aneinanderreihung von Themen reduzieren würde, tritt er doch selbst für jene Unfassbarkeit und Undefinierbarkeit mancher Dinge im Leben ein, die in seiner unkonventionellen, scheinbar zusammenhangslosen Einleitung und zahlreicher weiterer Anspielungen verdeutlicht wird. Und obwohl man dieses Mammut-Werk mit seinen unzählbaren Inhalten als in höchstem Maße weise und sicherlich auch philosophisch, das Gesehene stets als universell einstufen kann, stellt es sich nie über sein Publikum. Im Gegenteil: Magnolia baut zum Zuschauer eine Nähe auf, wie man sie kaum für möglich hält und behält sich so die Kraft inne, aus tiefstem Herzen zu berühren. Wenn dann schließlich das aufgebaute Gerüst aus Lügen und verdrängten Erinnerungen über den Protagonisten zusammenfällt und letztlich in einem reinigenden Wunder mündet, kennen die Tränen kein Halten mehr. Nicht aus Trauer - aus Freude, die Melancholie überstanden zu haben. Doch wann kommt sie wieder? Statt mit dem letzten Kapitel zu enden, schlägt Anderson ein weiteres auf. Der Film endet, das Leben geht weiter. It's not going to stop. 

10/10




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