Mittwoch, 28. November 2012

Cloud Atlas [Tom Tykwer, Andy & Lana Wachowski | DE, HK, SG, US 2012]


Sechs verschiedene Geschichten von Liebe, Freiheit und Freundschaft aus sechs verschiedenen Epochen. Ein interessanter philosophischer Diskurs oder möchtegern-epischer Blödsinn? Egal, wofür man Cloud Atlas letztendlich hält - Es bleibt ein echtes Mammutprojekt, aber auch, trotz seiner Einzigartigkeit, ein Film für die Masse geschaffen oder um es positiv zu formulieren: Ein Riese, der dich nicht erdrückt, sondern an die Hand nimmt und fast drei Stunden deine Sinne berauscht. Doch wie ein endloser Werbeclip reiht sich Szene an Szene, Ebene an Ebene, der Unterhaltung wegen viel zu schnell geschnitten und besonders anfangs noch nicht so recht ineinander fließend. Es dauert seine Zeit, bis man sich in jeden Charakter des stark aufspielenden Casts einfühlt, mit deren Ringen nach innerer und äußerer Freiheit, deren Streben nach Glückseligkeit und einem Sinn im Leben mitfiebert und die ersten Zusammenhänge wahrnimmt und begreift, auch wenn es meist gar nicht viel zu verstehen gibt. »Alles ist verbunden und jede gute oder böse Tat kann die Zukunft entscheidend verändern« ist die offenkundige und mehrfach erwähnte Prämisse des Films, auf der sich jedes Gedankenkonstrukt Tykwers, der Wachowski-Geschwister und vermutlich auch der Romanvorlage aufbaut. Damit einhergehend beschränkt sich Cloud Atlas oftmals leider nur auf leicht goutierbare Küchenphilosophie, verschont den Zuschauer aber zum Glück mit einer erneuten Demonstration des ausgelutschten Schmetterlingseffekts oder des Ursache-Wirkung-Prinzips, sondern vermittelt frei von jeder erzählerischen Konvention völlig losgelöst seine zugegeben kitschige Intension auf emotionaler Ebene. Nur durch Aufopferung, Mut und zwischenmenschliche Zusammenarbeit kann man feste Grenzen überschreiten und Gutes für die nächste Generation schaffen, die dich genauso betrifft, denn dein Leben gehört nicht nur dir. Alles ist eben verbunden. Ein Film weit entfernt von Perfektion, aber auch eine ergreifende Reise, die polarisiert.

6,5/10



Kommentare:

  1. Mhm. Hört sich nach einem DVD-Film an, auch wenn die Schauwerte sicherlich reichlich vorhanden sind. Und Hanks und Berry spielen tatsächlich "stark auf"?

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    1. Auf gar (!) keinen Fall ein DVD-Film. Ich bitte dich, wenn überhaupt, ihn dir im Kino anzuschauen. Das hat die relativ hohe Wertung erst ermöglicht, ganz einfach, weil es ein besonderes Kinoerlebnis war. Die Macher haben trotz naiver Aussagen einen sehenswerten, weil einzigartigen Film geschaffen. Dieser Mut sollte auch mal an der Box Office belohnt werden. Ich jedenfalls wünsche mir mehr davon.

      Okay, Berry könnte man da vielleicht ausklammern, aber Hanks (auch Whishaw oder Bae) hat mich schon überrascht. Man muss ja festhalten, dass die teilweise sechs grundverschiedene Rollen spielen, nicht selten sogar das Geschlecht wechseln ... und das wirklich überzeugend. Die Maskenbilder, auch vergessen zu erwähnen, leisten hier großartiges.

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  2. Tom Hanks ist wie ein guter Wein...wird immer besser !

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