Sechs verschiedene Geschichten von Liebe, Freiheit und Freundschaft aus sechs verschiedenen Epochen. Ein interessanter philosophischer Diskurs oder möchtegern-epischer Blödsinn? Egal, wofür man Cloud Atlas letztendlich hält - Es bleibt ein echtes Mammutprojekt, aber auch, trotz seiner Einzigartigkeit, ein Film für die Masse geschaffen oder um es positiv zu formulieren: Ein Riese, der dich nicht erdrückt, sondern an die Hand nimmt und fast drei Stunden deine Sinne berauscht. Doch wie ein endloser Werbeclip reiht sich Szene an Szene, Ebene an Ebene, der Unterhaltung wegen viel zu schnell geschnitten und besonders anfangs noch nicht so recht ineinander fließend. Es dauert seine Zeit, bis man sich in jeden Charakter des stark aufspielenden Casts einfühlt, mit deren Ringen nach innerer und äußerer Freiheit, deren Streben nach Glückseligkeit und einem Sinn im Leben mitfiebert und die ersten Zusammenhänge wahrnimmt und begreift, auch wenn es meist gar nicht viel zu verstehen gibt. »Alles ist verbunden und jede gute oder böse Tat kann die Zukunft entscheidend verändern« ist die offenkundige und mehrfach erwähnte Prämisse des Films, auf der sich jedes Gedankenkonstrukt Tykwers, der Wachowski-Geschwister und vermutlich auch der Romanvorlage aufbaut. Damit einhergehend beschränkt sich Cloud Atlas oftmals leider nur auf leicht goutierbare Küchenphilosophie, verschont den Zuschauer aber zum Glück mit einer erneuten Demonstration des ausgelutschten Schmetterlingseffekts oder des Ursache-Wirkung-Prinzips, sondern vermittelt frei von jeder erzählerischen Konvention völlig losgelöst seine zugegeben kitschige Intension auf emotionaler Ebene. Nur durch Aufopferung, Mut und zwischenmenschliche Zusammenarbeit kann man feste Grenzen überschreiten und Gutes für die nächste Generation schaffen, die dich genauso betrifft, denn dein Leben gehört nicht nur dir. Alles ist eben verbunden. Ein Film weit entfernt von Perfektion, aber auch eine ergreifende Reise, die polarisiert.
6,5/10

