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Freitag, 27. April 2012

The Avengers [Joss Whedon | USA 2012]


3D-frei seit 1999. Der ganze Stolz dahin. Eine beachtliche Boykott-Serie, die beinahe 13 Jahre anhielt und nun unrühmlich ihr Ende fand. Sagte ich unrühmlich? Schließlich war es doch gar nicht so schlimm. Zwar würde ich die 3D-Technik nicht gleich für allgemein nützlich erklären, aber dennoch stellte diese optische Neuerung für mich überraschenderweise eine willkommene Abwechslung dar, zumal schwindelerregende Action ein Großteil des Films ausmacht. Während eine tiefere Betrachtung der Superhelden-Charaktere in der Aufgabe vorangegangener Filme lag, die mal mehr, mal weniger gut gelöst wurde, beschränkt sich Whedon auf dem ihm bereits vorliegenden Stoff, um jeder Figur genügend Zeit zu geben, sich in jenen vorgegebenen Grenzen zu entfalten, was oftmals in erheiternden Provokationen untereinander mündet. Dass diese Grenzen perfekt ausgefüllt, wenn nicht sogar überschritten wurden, liegt am beeindruckenden Cast: Da wäre Loki alias Tom Hiddleston, der seine tadellose Schauspielleistung aus Thor noch einmal bestätigt, auch wenn ihm hier weit weniger Aufmerksamkeit zukommt, sein Motiv, ganz zu schweigen vom Plot, zu einfach und fragwürdig bleibt, Captain America (Chris Evans) bleibt nicht mehr blass wie zuvor und Mark Ruffalo gibt trotz viel kürzerer Screentime den bisher authentischsten Bruce Banner ab. Thor (Chris Hemsworth) schwingt den Hammer, Scarlett ist einfach sexy und Renner gibt den neuen Legolas. Einzig und allein Robert Downey Jr. enttäuschte mich ein wenig, da die zwanghaften Versuche ihn als Iron Man durch seinen altgewohnten Charme und Humor zwischen den Avengers in den Mittelpunkt zu rücken, meist weniger von Erfolg gekrönt waren. Doch schließlich durfte jeder der Helden für ein paar Gags sorgen, die teilweise angenehm zündeten, nicht selten aber auch ziemlich ausgelatscht und altbacken wirkten. Und dennoch: Whedon macht aus seiner Anforderung, ein möglichst breites Spektrum an Zuschauern für sich zu gewinnen, keinen Hehl, bedient allerlei typische Superhelden-Klischees und füllt die beträchtliche Restzeit mit allerhand Schlägereien, Schießereien und Explosionen aus, die für jede Menge Spaß sorgen und ein unvergessliches Erlebnis bieten. The Avengers ist wohl schon jetzt der Action-Kracher des Jahres, für Marvel-Fans schlichtweg ein Muss und für alle anderen zumindest im Kino ein unterhaltsamer und vor allem optisch sehenswerter Genuss.

7/10

Freitag, 24. Februar 2012

Ghost World [Terry Zwigoff | USA 2001]


Ghost World ist ein ruhig erzählter Coming-of-Age-Film von Terry Zwigoff aus dem Jahr 2001, der sich aufgrund seiner Ernsthaftigkeit von fast allen Teenie-Filmen grundlegend unterscheidet. Die zwei Schulfreundinnen Enid und Rebecca erscheinen anfangs als oberflächliche, klischeehafte Teenagergören: Selbstbewusst, frech, nervig und arrogant mit dem unwiderstehlichen Drang anders zu sein. Doch im Verlauf der Geschichte entwickeln die beiden Mädchen eine unsagbare Tiefe, sodass all ihre Schwächen hinter ihre Fassade offen gelegt werden: Allen voran steht da Enid, äußerst beeindruckend von Thora Birch verkörpert, deren Verwirrtheit und Ängste durch die Bekanntschaft mit dem schüchternen Außenseiter Seymour eine wahrlich sensible Note bekommen. Die so umfassende und vielschichtige Auseinandersetzung mit jugendlicher Selbstverwirklichung macht Ghost World wohl zur besten Umsetzung eines Teenie-Dramas. Doch auch weil der Film so authentisch ist, beschränkt sich seine Zielgruppe zunehmends auf die Gruppe von Menschen, die er versucht darzustellen. Manch einer ist womöglich nicht daran interessiert, die Weltanschauung launischer Zicken zu verstehen, aber vielleicht hilft Ghost World sich an seine eigenen peinlichen Eskapaden oder seinen fürchterlichen Kleidungsstil von damals zu erinnern, insofern man das überhaupt möchte. Was ich damit sagen will, ist, dass einem das Gezeigte gefallen kann, aber nicht zwingend muss.
Ich werde jedenfalls versuchen, diesen Film noch deutlich öfter sehen zu können. Nicht wegen des bloßen Inhalts, dafür aber wegen der eindrucksvollen, umfassenden und so wahren Auseinandersetzung mit einem problematischen und unvergleichbaren Lebensabschnitt.

7/10

Match Point [Woody Allen | USA 2005]


The man who said "I'd rather be lucky than good" saw deeply into life. People are afraid to face how great a part of life is dependent on luck. It's scary to think so much is out of one's control. There are moments in a match when the ball hits the top of the net, and for a split second, it can either go forward or fall back. With a little luck, it goes forward, and you win. Or maybe it doesn't, and you lose.
Der ehemalige Tennisspieler Chris Wilson (Jonathan Rhys-Meyers) kommt nach London und zieht sich gleich einen Job als Tennislehrer an Land. Dabei lernt er den aufgeweckten Tom Hewett (Matthew Goode) kennen, der ihn mit seiner Schwester und zukünftigen Ehefrau bekannt macht und in seine schwerreiche Familie einführt. Alles sieht nach einem typischen Woody Allen aus: Zwei Beziehungen, viel Gerede, alles relativ unspektakulär, aber stets stilvoll. Doch Chris beginnt immer mehr Toms Verlobte Nola (Scarlett Johansson) zu begehren, das Doppelleben gelingt gut, bis er jedoch nach und nach zu einer Entscheidung gezwungen wird: Geld oder Liebe?
Zweifelsohne ist Johansson in Match Point der Hingucker schlechthin und steht in der ersten Hälfte des Films im Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit, wenn ihre sehnsüchtigen und anzüglichen Augen den Bildschirm durchbohren. Auch Chris verfällt ihr, trotz einem Bilderbuchleben mit jeder Menge Geld, einem festen Job, einer lieben Frau und sympathischen Schwiegereltern. Es ist der sexuelle Trieb eines jeden Mannes, der stärker ist als jede Vernunft und von Woody Allen gekonnt zur Schau gestellt wird.
Es ist zudem eine regelrechte Kunst, wie eine intensive Spannung so einfach, herkömmlich und unspektakulär hergestellt werden kann. Der Zuschauer wird zum mitfiebern gezwungen und ist sich ebenso klar wie Chris, wie viel auf dem Spiel steht. Der scheinbaren Stilbruch, dem Allen am Ende verfällt, ist überraschend und spiegelt passend zu diesen modernen Zeiten unsere geldgierige Gesellschaft wider.
Match Point ist ohne Frage mein (bisheriger) Lieblings-Woody Allen. Ein Film über den neuzeitlichen menschlichen Konflikt von Liebe, Leidenschaft, Macht und Geld, sowie ein schicksalhafter Verweis über die Rolle des Glücks im Leben. Unbedingt sehenswert!

9/10
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