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Sonntag, 2. Dezember 2012

Bube, Dame, König, grAs - Snatch - RocknRolla

Bube, Dame, König, grAs [1998]


Vier Freunde stecken ziemlich in der Klemme: Binnen einer Woche müssen sie ihre Spielschulden von fünfhunderttausend Pfund dem furchterregenden Harry Lonsdale, König der Unterwelt, zurückzahlen, insofern ihnen ihre Gliedmaßen wichtig sind. Nach reiflicher Überlegung scheint ein einfacher Plan gefunden, doch, wer hätte es gedacht, lässt sich eine halbe Millionen schwieriger verdienen als zuerst angenommen, wenn eine Menge anderer Leute ihre Finger im Spiel haben. Guy Ritchie entführt uns in seinem Erstlingswerk erstmals in eine Welt, in der es außer Politessen keine rechtschaffenen Leute gibt, in der sich Kleinganoven mit geklauten Plunder über Wasser halten, sich haasträubende Legenden über Feuerlöscher und Gummidildos erzählen und Späthippies mit Marihuana zugedröhnt große Geschäfte machen. Es ist eine moralisch absolut verkommene Welt, die in diesem Film und seinen Nachfolgewerken glorifiziert wird, ein Universum voll von Gewalt(-verherrlichung), Drogen(-verherrlichung) und jeglicher Vulgaritäten. Wen diese Tatsache einschüchtert, sollte lieber die Hände davon lassen. Allen anderen eröffnet sich ein vor allem handwerklich gelungener Film, dessen Sprüche zum größten Teil sitzen, der mit seinen Gangsterklischees ein wenig subtiler umgeht und dessen Coolness weniger aufgesetzt erscheint als in seinem Nachfolgewerk Snatch. Ein abgefahrener Film, der durchaus Spaß machen kann.

6/10
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Snatch - Schweine und Diamanten [2000]


Snatch - Schweine und Diamanten, quietschende Hunde und Kaffeewärmer, Zigeuner und Wohnwagen, Juden und welche, die es gern wären ist ein Fest an Kreativität und skurriler Einfälle. Noch eine Spur humoristischer angelegt als sein Erstlingswerk Bube, Dame, König, grAs beißt sich Regisseur Guy Ritchie erneut in der Londoner Untergrundszene, angereichert mit schrägen Vögeln, harten Typen und Versagern, fest und lässt mehrere Handlungsstränge auf seltsamste Weise ineinander laufen - das Resultat: Ein Gagfeuerwerk der extremen Sorte. Drehbuch, Kamera und Schnitt leisten erneut ganze Arbeit und doch wusste mich der Film nur noch selten wirklich mitzureißen. Der Grund: Tarantino. Das amüsante Gangster-Getratsche, die gezwungene Härte und aufgesetzte Coolness wurde schon in den 90ern von jenem talentierten Regisseur, der sich bekanntermaßen wiederum auch an älteren Werken bediente, und auch von Ritchie selbst wesentlich überzeugender initiiert, weshalb sich Snatch zeitweise wie eine schlechte Kopie anfühlt, aber nichtsdestotrotz noch mehr Stil und Charme besitzt als die blödsinnige Massenware der Generation Smokin' Aces, die Kopie von der Kopie sozusagen.

5,5/10
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RocknRolla [2008]



Nach einem im wahrsten Sinne des Wortes furchtbar romantischen Ausflug mit Madonna und eher mäßigem Mystery-Gangster Quatsch widmet sich Guy Ritchie ganze acht Jahre nach seinem Erfolg mit Snatch wieder dem skurrilen Gaunerzirkus der Londoner Unterwelt. Genau wie seine Vorgänger bietet auch RocknRolla wieder jede Menge Figuren, Handlungsstränge, Verstrickungen und Spaß auf, verbiegt sich durch mal mehr, mal weniger gewollter Coolness und scheißt auf die Moral und den guten Ton. Auch diesmal gilt wieder: Alles schon gesehen. Dennoch nagt nun auch hier der Zahn der Zeit am Gangstermilieu. Im Laufe der Jahre wurde London moderner, größer, nobler. Aus Immobilien besteht das große Geschäft, Machos räumen für Arschkriecher das Feld, Koks und Knarre wurden durch Anzug und Zigarre ersetzt. Mehr und mehr Immigranten strömen in die Stadt und machen den alteingesessenen Bossen ihren Platz streitig. Die Uhr für große Untergrundlegenden wie Johnny Quid (Toby Kebbell) ist bereits abgelaufen, echte Bewunderung erfahren sie nur noch von ihresgleichen, und Guy Ritchie natürlich. Der britische Regisseur lässt die alte Schule im Kampf gegen den neuen Zeitwandel noch ein letztes Mal aufleben und schafft seinen Ziehkindern, den Kleinganoven, ein finales Denkmal kurz vor ihrem Ableben. Abgesehen von der extrem übertriebenen Homophobie Gerald Butlers alias One Two und der viel mehr nervig als irgendwie cool erscheinenden Hauptfigur Johnny ist RocknRolla seinen Vorgängern aus heutiger Sicht dennoch einen winzigen Schritt voraus, einfach weil er immer noch am ehesten mit der Zeit schwimmt, gänzlich ohne Melodramatik auskommt und locker und leicht stilvoll den heimischen Bildschirm blitzeblank poliert. Vor allem Mark Strong als Erzähler und Mittelpunkt des Geschehens überzeugt durch sein souveränes, stilvolles und charmantes Auftreten, was ihn zum größten Sympathisanten und der fast einzigen Identifikationsfigur im ganzen Ritchie-Gangsteruniversum macht.

6,5/10

Sonntag, 28. Oktober 2012

Bronson [Nicolas Winding Refn | GB 2008]



Bühne frei für Charlie Bronson, dem bis heute berühmtesten aller Strafgefangenen Großbritanniens, einem völlig schrägen Vogel, der sein einziges Talent und seine Chance große Berühmtheit zu erlangen darin sieht, die stählerne Faust gegen das Gesetz zu richten. Und wann könnte man mit kriminellen Taten, ständigen Ausbruchsversuchen und Faustkämpfen mit Wärtern nicht mehr Aufsehen erregen als in der heutigen Zeit, in der das Fernsehen auf Leute wie Bronson bewundernd die Kameras richtet und das Publikum sich zumindest gut unterhalten fühlt? Ein Schlag ins Gesicht, dann die Verbeugung - der Zuschauer lacht. Regisseur Nicolas Winding Refn hält uns ein ums andere Mal den Spiegel vors Gesicht, bis man sich früher oder später eingestehen muss: 'Dieser gewalttätige Kerl macht unheimlich Spaß', und führt uns so unsere eigene schaulustige Gier vor Augen, die keine Grenzen kennt. Ja, Bronson hat einige satirische Züge und outet sich letztlich auch als eine treffende Satire, wenn er seinen Antihelden in der letzten Einstellung erstmals ungeschönt der Öffentlichkeit ausliefert, wenn er ihn seiner lächerlichen Maskerade beraubt und ihn als das bloßstellt, was sein Leben aus ihm gemacht hat: Einen Haufen bemitleidenswerter Scheiße. Hardy und Refn waren nie so gut. 


7/10

Samstag, 25. Februar 2012

Meine Oscar-Verleihung 2012: Bester Hauptdarsteller

The Oscar goes to ...

1. Tom Hardy (Warrior)
Als Kämpfer, dessen Vergangenheit ihn zum Tier machte, liefert Hardy die wohl beste Leistung seiner Karriere ab. Sowohl seine harte Schale als auch sein emotionaler Kern überzeugt auf ganzer Linie und hätte für mich in diesem Jahr den Oscar verdient gehabt.

Außerdem nominiert wären:

2. Gary Oldman (Dame König As Spion)
Ganz knapp dahinter befindet sich Gary Oldman, der als Geheimdienstler im Ruhestand in "Dame König As Spion" mit seiner überaus überzeugenden kühlen Erscheinung nach einem Spion sucht. Ganz stark sind besonders die Szenen, in denen er zeigt, dass hinter der emotionslosen Fassade noch ein Herz schlägt. Seine beste Leistung bleibt zwar in "Léon - Der Profi" (für die er allein drei Oscars verdient hätte), aber für Platz 2 reicht es allemal. 

3. Ryan Gosling (Drive)

Ryan Gosling zeigt in "Drive", dass man nicht viel reden muss, um eine einmalige Performance abzuliefern. Seine Rolle als einsamer Fahrer hat sich wohl jedem, der dem Film sah ins Hirn gebrannt. Den Coolness-Preis 2011 gibts definitiv, für den Oscar von mir reicht es aber nicht ganz. Den hätte er allerdings schon letztes Jahr für "Blue Valentine" verdient gehabt.

4. John C. Reilly (Der Gott des Gemetzels)
Zwischen all der Hysterie in "Der Gott des Gemetzels" stach mir ein wesentlich ruhigerer, aber niemals blasser Part besonders ins Auge. John C. Reilly hat von allen vier Hauptdarstellern die beste Balance zwischen Overacting und angenehmer Zurückhaltung gefunden und ganz nebenbei aufgrund seiner sympathischen Art auch noch für die meisten Lacher gesorgt.

5. Leonardo DiCaprio (J. Edgar)
Dafür, dass Leonardo DiCaprio der zwielichtigen Gestalt des J. Edgar Hoover zwischen all seinen Vergehen und seiner fraglichen Weltansicht eine sehr menschliche Note gegeben hat, hätte er in diesem Jahr eigentlich wieder einmal eine Nominierung verdient gehabt.

Kleine Anmerkung: Da ich leider immer noch nicht das Vergnügen hatte, "The Artist" zu sehen, bin ich gezwungen, den Oscar-Favoriten Jean Dujardin leider außen vor zu lassen. 

Freitag, 24. Februar 2012

Dame König As Spion [Tomas Alfredson | GB 2011]


Schweigsam, zermürbend und dennoch fesselnd: Dass der Kalte Krieg die selbe zerstörerische Kraft haben kann wie jeder andere Krieg zeigt Tomas Alfredson so konsequent wie es vermutlich noch nie jemand tat. Während man mit Waffen seit jeher die Herzen der Menschen zum Stillstand brachte, versucht man in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts etwas völlig anderes zu töten: Die Seele des Menschen.

Im britischen Geheimdienst steht man vor befremdlichen Zeiten. Keiner traut dem Anderen. Jeder ist nervös, aber davon darf man sich nichts anmerken lassen. Bloß keine Emotionen zeigen, so lange bis man selbst vergisst, wie es ist zu lachen oder zu weinen. Diese unterkühlten Spannungen wurden vom gesamten Cast erstklassig verkörpert und von der Kamera perfekt eingefangen und intensiviert. Wer ein lebendiges Katz- und Mausspiel erwartet, ist hier völlig falsch, denn Dame König As Spion ist eiskaltes, wahnsinnig atmosphärisches Kino, das das Gehirn zu Höchstleistungen zwingt. Wer sich hier eine Denkpause gönnt oder das stille Örtchen aufsucht, der wird es schwer haben, je wieder in die Ermittlungen hineinzufinden. Der aufmerksame Zuschauer kommt aber in den Genuss eines Ausnahme-Thrillers der etwas anderen Art, welcher nach jeder Sichtung wohl noch ein bisschen besser werden dürfte. 
8/10
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